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Die Kunst des Weglassens: Warum weniger Einrichtung manchmal mehr ist

8. Okt.
3 Min. Lesezeit

Ein Raum muss nicht vollständig gefüllt sein, um wohnlich zu wirken. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Zu viele Möbel, Dekorationen und unterschiedliche Formen können einen Raum unruhig wirken lassen.

Gute Raumgestaltung bedeutet deshalb nicht nur zu überlegen, was noch fehlt. Manchmal ist die wichtigere Frage: Was braucht der Raum wirklich?

Dabei spielt die Raumgröße eine entscheidende Rolle. Denn Möbel sollten nicht nur zum persönlichen Stil passen, sondern auch zu den Proportionen des Raumes.


Die Raumgröße bestimmt die Möbelauswahl


Ein großzügiges Sofa kann in einem weitläufigen Wohnzimmer genau richtig wirken. In einem kleinen Raum kann dasselbe Möbelstück dagegen schnell zu dominant werden.

Gerade bei kleinen Räumen können filigranere Möbel deshalb eine gute Wahl sein. Sofas und Sessel mit schlanken Armlehnen, sichtbaren Füßen oder etwas Bodenfreiheit wirken häufig leichter als sehr massive, bodentiefe Möbel.

Auch ein schmal gebautes Sideboard oder ein Tisch mit filigranem Gestell nimmt optisch weniger Raum ein.

Dabei geht es nicht darum, ausschließlich kleine Möbel zu verwenden. Viel wichtiger ist ihre visuelle Wirkung.


Elegantes, großzügiges Schlafzimmer mit einem gepolsterten Bett, Cognac-Lederbank und tiefgrünem Sessel. Bettwäsche, Kissen und Decken sind in harmonischen Sand-, Beige- und Camel-Tönen gehalten. Warme Vorhänge, ein abstraktes Wandbild in Cognac- und Naturtönen, strukturierter Teppich und Parkettboden schaffen eine ruhige, hochwertige Raumwirkung.

Kleine Räume brauchen nicht viele kleine Möbel


Die bekannte Regel „kleiner Raum – kleine Möbel“ greift zu kurz.

Viele kleine Möbelstücke können einen Raum sogar unruhiger und voller erscheinen lassen. Ein kleines Sofa, zwei kleine Sessel, mehrere Beistelltische, Regale und Kommoden ergeben schnell mehr optische Unruhe als wenige bewusst ausgewählte Möbel.

Oft funktioniert deshalb ein größeres Hauptmöbelstück kombiniert mit einigen leichteren Möbeln besser.

Ein gut proportioniertes Sofa darf also auch in einem kleineren Wohnzimmer seinen Platz haben. Entscheidend ist, dass rundherum noch genügend Raum bleibt.


Kompaktes, modern eingerichtetes Wohnzimmer mit cremefarbenem Sofa, filigranem Sessel, rundem Couchtisch und großem Teppich. Warme Grün-, Beige- und Senftöne, natürliche Materialien und wenige ausgewählte Möbel schaffen eine ruhige und harmonische Raumwirkung. Ein Flachbildfernseher steht auf einem schlichten Walnussholz-Sideboard.

Freie Fläche gehört zur Raumgestaltung


Nicht jede freie Ecke muss genutzt werden.

Abstände zwischen Möbeln schaffen Ruhe und sorgen dafür, dass einzelne Stücke überhaupt wahrgenommen werden können. Gleichzeitig bleiben Laufwege klar und der Raum lässt sich angenehmer nutzen.

Freie Fläche ist deshalb keineswegs verschenkter Platz. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Gestaltung.

Das gilt auch für Wände. Nicht jede Wand braucht ein Möbelstück und nicht jede freie Fläche ein Bild oder eine Dekoration.

Ein Raum darf auch einmal leer bleiben.


Große Räume brauchen andere Proportionen


Was in kleinen Räumen schnell zu viel wird, kann in großzügigen Räumen genau richtig sein.

Ein kleines Sofa oder ein filigraner Tisch kann in einem großen Wohnbereich verloren wirken. Hier dürfen Möbel entsprechend größer dimensioniert sein.

Großzügige Sofas, lange Sideboards, ein großer Esstisch oder markante Sessel können dabei helfen, die Proportionen des Raumes aufzunehmen.

Auch Möbelgruppen sind wichtig. Statt einzelne Möbel weit voneinander entfernt im Raum zu verteilen, können zusammengehörende Stücke bewusst zu Bereichen zusammengefasst werden.

So wirkt auch ein großer Raum strukturiert und wohnlich.


Großzügiger, offen gestalteter Wohn-, Ess- und Küchenbereich mit cremefarbenem Ecksofa, dunkelblauen Sesseln und einem markanten schwarzen Couchtisch. Die Küche mit dunklen Fronten und Natursteininsel geht fließend in den Wohnbereich über. Große Fenster, warme Holztöne, strukturierte Textilien, ausgewählte Kunst und einzelne Grünpflanzen schaffen eine großzügige und harmonische Raumwirkung.

Weniger Dekoration – mehr Wirkung


Das Prinzip des Weglassens betrifft nicht nur Möbel.

Kissen, Vasen, Kerzen, Bilder, Pflanzen und andere Accessoires verleihen einem Raum Persönlichkeit. Werden jedoch zu viele davon miteinander kombiniert, konkurrieren sie schnell um Aufmerksamkeit.

Ein einzelnes besonderes Objekt kann wesentlich stärker wirken, wenn es genügend Raum bekommt.

Das bedeutet nicht, dass Räume nüchtern oder minimalistisch eingerichtet werden müssen. Auch eine farbenfrohe oder persönliche Einrichtung kann ruhig wirken. Entscheidend ist, bewusst auszuwählen statt jede Fläche zu füllen.


Großzügiges Wohnzimmer mit cognacfarbenem Ledersessel und Hocker, großem Teppich und einem schwebend montierten Bücherregal aus dunklem Holz. Bücher, ausgewählte Dekoration und Pflanzen sind dezent in die beleuchteten Regalböden integriert. Große Fenster, schwere Vorhänge, ein Kamin und warme Naturmaterialien unterstreichen die ruhige und hochwertige Raumgestaltung.

Materialien dürfen für sich sprechen


Interessante Materialien brauchen häufig gar nicht viel zusätzliche Dekoration.

Die Oberfläche eines Holzes, die Struktur eines Bezugsstoffes, ein schönes Leder oder eine besondere textile Oberfläche können selbst zu Gestaltungselementen werden.

Gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien schafft Tiefe: glatte und strukturierte Flächen, weiche und feste Materialien oder matte und leicht glänzende Oberflächen.

Wenn Materialien bewusst ausgewählt werden, entsteht Charakter nicht durch die Menge der Einrichtung, sondern durch ihre Qualität und ihr Zusammenspiel.


Weniger bedeutet nicht weniger Persönlichkeit


Die Kunst des Weglassens bedeutet nicht, möglichst wenig zu besitzen oder jeden Raum minimalistisch einzurichten.

Es geht darum, Möbel passend zur Raumgröße auszuwählen, Proportionen zu berücksichtigen und einzelnen Elementen genügend Platz zu geben.

Kleine Räume profitieren häufig von wenigen, gut proportionierten und optisch leichteren Möbeln. Große Räume dürfen dagegen großzügiger eingerichtet werden.

Am Ende entsteht ein stimmiger Raum nicht dadurch, dass jede freie Fläche genutzt wird.


Manchmal beginnt gute Raumgestaltung genau dort, wo man bewusst etwas weglässt.

 
 
 

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